Intermodales Design

Farbdesign

Alles, was wir sehen, fühlen, hören, schmecken oder riechen hat Auswirkungen auf unsere Emotionen. Farbe verbindet das, ist schreiend oder flüsternd, weich oder hart, leicht oder schwer, duftend oder riechend, süß oder sauer, nah oder fern, auffällig oder unauffällig, alt oder modern. Farbe vereint Eigenschaften aus allen menschlichen Sinnen und bildet damit eine Metaebene, die alle Formen der visuell, sensuell und kulturell codierten Kommunikation beherrscht.

 

Normalerweise ist Farbe ein mehr oder weniger kleiner Punkt im Curriculum der Designdisziplinen oder der Architektur. Für mich ist Farbe der Mittelpunkt, von dem aus Farbdesigner Ihre Fühler in Richtung Innenarchitektur, Lichtdesign, Ausstellungsgestaltung, Produktdesign, Grafik Design, Architektur oder Wissenschaft ausstrecken. Wir definieren den Mehrwert Farbe in diesen Bereichen und setzen uns experimentell und systematisch mit der Rolle der Farbe und Oberfläche innerhalb komplexer Projekt- oder Objektszenarien auseinander. Farbdesign ist keine Insel-Kompetenz, sondern spielt seine Stärken als Partner der Designdisziplinen und der Architektur aus.

  

  

Farbdesign spielt in der Produktentwicklung aller wichtigen Industrien eine Rolle (Automobil-, Farb-, Tapeten-, Bodenbelags-, Textil-, Baustoff- und Fashionindustrie, etc.). Aber auch in den Feldern visueller Kommunikation, der Grafik, Leitsystemen, Advertising, Packaging wird Farbe und Oberfläche durch neue digitale Techniken zu einem immer wichtigeren Faktor. Farbdesign an der Fakultät Gestaltung der HAWK Hildesheim ist prädestiniert für die intermodale, interne Zusammenarbeit mit anderen Kompetenzfeldern und externen Partnern in (Weiter-)Bildung, Wissenschaft, Handwerk, Design, Architektur und Industrie. Zusammenarbeit findet sowohl intern und extern bereits auf mehreren Ebenen statt. Studierende profitieren von dieser Situation durch interessante Praktika (BMW, Audi, VW, Adidas, Ulla Popken, Vorwerk, Benecke-Kaliko) und lernen ein sehr angewandtes, lebendiges Umfeld kennen sowie ein außergewöhnlich breites Feld an Berufschancen.

 

Wir verkaufen heute keine Farbe mehr, sondern Erlebnisse. Storytelling, Moodmanagement, Color-Consulting und Service-Design prägen das Farbdesign der Zukunft. Trends wie Neuromarketing oder Sensory Branding entdecken das multisensuelle Potenzial der Farbe gerade erst.

Timo Rieke, 14.2.17

 

P.S.: intermodal bedeutet, „(…) einzelne Wahrnehmungsinhalte aus verschiedenen Lebens- und Erfahrungsbereichen miteinander zu einer komplexeren Erkenntnis zu verbinden.“ Wikipedia: Intermodaler Verkehr“, 14.2.17

„Agenda Farbe“

Interview, uncut

Herr Vertretungsprofessor Timo Rieke, warum ist die Farbauswahl in allen Bereichen unseres Lebens wichtig?

 

Viele Menschen halten Farbe für überflüssig. Und tatsächlich kämen wir durchaus ohne Farbe aus. Viele Aspekte des Lebens funktionieren auch in Graustufen, Schwarz und Weiß.

 

Ich halte Farbe dann für außerordentlich wichtig, wenn sie Kommunikation für Menschen erleichtert. Und das ist eigentlich ständig der Fall. In vielen Fällen ermöglicht allein Farbe das Finden, Identifizieren und Erkennen eines Sachverhaltes oder einer Emotion. Produkte im Supermarkt allein über Schrift und Typografie zu unterscheiden ist vorstellbar. Es ist allerdings davon auszugehen, dass der Einkauf dann ein Vielfaches an Zeit in Anspruch nehmen würde. Farbe schafft Ordnung, und Ordnung schafft Orientierung.

 

Die Stärke der Farbe liegt in der schnellen Vermittlung eines Codes, der weitgehend unbewusst funktioniert. Wir nehmen die Bedeutung der Farbe an, als wäre sie bereits immer da und eine ganz natürliche, unmittelbare Wahrnehmung. Daher können wir auch so schlecht unterscheiden, ob Farbbedeutungen angeboren sind oder nicht. Es ist eher wie bei der Sprache. Die Fähigkeit zu sprechen ist angeboren, die Anwendung der komplexen Bedeutungen von Sprache müssen wir allerdings Stück für Stück erlernen. So verstehen wir je nach Erfahrungsgrad die farbigen Signale von Äpfeln, reifen Bananen oder Schokoladenverpackungen, Ampeln, Parteien oder Markenidentitäten und Corporate Colors.

 

Farbe und ihre Nuancen definieren gesellschaftliche Riten, technische Funktionalitäten, Geschmacksfragen, Produkterwartungen, Geschlechterrollen, Haptik und Feingefühl sowie gesellschaftliche Klischees und Zugehörigkeiten. Die Farbauswahl ist deshalb in allen Bereichen des Lebens wichtig, weil Farbe ein entscheidender Faktor zur erfolgreichen Orientierung innerhalb unserer Gesellschaft ist.

 

 

An vielen deutschen Hochschulen kann man Kommunikationsdesign studieren, ein Studiengang, der in der Regel auch den Lernbereich Farbdesign abdeckt. Was ist das Besondere am Hildesheimer Spezial-Studiengang?

 

Normalerweise ist Farbe ein mehr oder weniger kleiner Punkt im Curriculum des Kommunikationsdesigns oder der Architektur. Für uns ist Farbe der Mittelpunkt, von dem aus wir unsere Fühler in Richtung Innenarchitektur, Lichtdesign, Ausstellungsgestaltung, Produktdesign, Grafik Design, Architektur oder Wissenschaft ausstrecken. Wir isolieren den Mehrwert Farbe in diesen Bereichen und setzen uns systematisch mit der Rolle der Farbe und Oberfläche innerhalb komplexer Projekt- oder Objektszenarien auseinander. Die Komplexität des Gebietes begründet die Besonderheit Farbdesign in Hildesheim.

 

Was können die Studenten bei Ihnen lernen?

 

Studenten lernen bei uns als allererstes, dass Farbe nicht verwechselt werden darf mit Buntheit. Zweitens lernen unsere Studentinnen, dass Farbdesign keine Kunst ist, sondern eine strategische Methode, mit Hilfe von Farbe die funktionale, emotionale und kulturelle Essenz einer Oberfläche, einer Kollektion, eines Produktes, eines Raumes oder eines farbigen Objektes zu definieren und zu unterstreichen. Dazu gehört das Wissen über die Erforschung der Vergangenheit, der Definition von Gegenwart und der Vorstellung der Zukunft.

Unser Curriculum beginnt mit den Grundlagen in Farbe, Struktur, Oberfläche, geht über Innenarchitekturbasics sowie die Theorie Farbe/Licht und das Trendscouting bis zum Surface Lab (Farbkommunikation & Farbszenarien). Nach den Projektarbeiten (Produkt/Objekt/Raum) der Zukunftswerkstatt Farbe folgt die Abschluss-Thesis im Bachelor of Arts. Das vollständige Curriculum endet mit der interdisziplinären Zukunftsforschung Farbe im Masterstudium. Zusammengefasst: Studentinnen lernen bei uns sensibel und strategisch mit Farbe umzugehen und diese zielgerichtet einzusetzen.

 

Bisher gibt es das Bachelorstudium Farbdesign in dieser Form nur in Hildesheim. Rechnen Sie damit, dass andere Hochschulen nachziehen?

 

Das Interesse an Farbausbildung steigt in jedem Bereich des Designs oder der Architektur. Inwieweit andere europäische Hochschulen mit einem Vollstudium Farbe nachziehen, kann ich nicht gänzlich beantworten. Ich weiß aber, dass das Netzwerk Farbe im deutschsprachigen Raum zusammenwächst und wir die guten Verbindungen zur Badischen Universität Wuppertal und anderen Hochschulen intensivieren. Zentraler Punkt an dem wir diese Fragen diskutieren ist das Deutsche Farbenzentrum e.V. (DFZ) und seine Tagungen. Die diesjährige Tagung findet übrigens im September an der Universität Tübingen statt.

 

Der Schwerpunkt unseres Institute International Trendscouting an der HAWK Hildesheim (IIT) liegt derzeit auf dem Ausbau der externen akademischen und zertifizierten Weiterbildung im Bereich Farbe für bspw. Architekten und das Handwerk. Das Bachelorstudium hat die Studienzeiten in den Designdisziplinen und in der Architektur zum teil drastisch verkürzt und damit den Input Farbe ganz im Gegensatz zum Bedarf ziemlich verkümmern lassen. Die Weiterbildung im Bereich der sogenannten Softfacts wird eines der wichtigen Entwicklungen der Bildungslandschaft in den nächsten Jahren sein. Farbe und gestalterische Qualität wird wichtiger und zunehmend zu einem Kriterium, über das Mehrwert verkauft werden kann. Das gilt nicht nur für die akademischen Berufe sondern besonders für das Handwerk, für das ich in dieser Entwicklung eine große Chance sehe.

 

Welche Berufsmöglichkeiten haben Farbdesigner, wenn sie ihre Bachelorurkunde in der Tasche haben?

 

Der Bereich der Berufsmöglichkeiten ist sehr groß, und abhängig vom Schwerpunkt der Studierenden. Farbdesigner arbeiten angestellt oder selbständig für Agenturen, Designabteilungen oder (Innen-) Architekturbüros sowie in den Designteams der Industrie. Das bedeutet in der Automobilindustrie, der Textilindustrie, bei Bodenbelagsherstellern, Tapetenfirmen oder der Farbindustrie, usw.

 

Im Studiengang Farbdesign spielt auch das Thema Trendforschung eine wichtige Rolle. Wie entsteht ein neuer (Farb-)Trend? Wer gibt dafür die Impulse?

 

Es ist nicht zu sagen, wann ein neuer Farbtrend beginnt oder wer die entscheidenden Impulse gibt. Wir können aber feststellen, dass Farbtrends existieren und Einfluss auf verschiedene Lebensbereiche im privaten und öffentlichen Bereich haben. Sie steuern Verkaufsentscheidungen im Bereich Textil, Produkt, Wohnraum oder Office. Trendfarben zeigen, dass etwas neu und attraktiv ist, sie individualisieren und wirken am Point of Sale besonders anziehend. Der Sinn neuer Farbkollektionen ist es oft, die Aktualität einer Kollektion zu unterstreichen. Zudem ist der Einsatz von Farbe meist kostengünstig zu bewerkstelligen. Dabei gibt es, wie in allen gesellschaftlichen Bereichen, einflussreichere und weniger einflussreiche Faktoren.

 

Auf der einen Seite sind Farbtrends ein kommunikativer Prozess. Es gibt spezialisierte Trendagenturen, Trendberichte der Industrie, trendsetzende Jungdesigner und traditionelle, einflussreiche Hersteller und die verbindenden Medien. Man trifft sich auf Messen und diskutiert die aktuelle Lage. Das ist dann ein sich wiederholender, perpetueller Prozess, mit immer neuem Ausgang.

 

Auf der anderen Seite können Trends auch analytisch wissenschaftlich betrachtet werden. Das ist vielleicht weniger künstlerisch-experimentell, jedoch zielgerichtet und planbar und im Endergebnis durchaus progressiv und sehr kommunikativ (lacht). In Hildesheim führen wir komplexe Studien durch, welche die Aspekte Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammenbringen. Auf Basis von breit angelegten, themenbezogenen Zyklenbetrachtungen der Vergangenheit und halbjährlichen Scoutings der Trends der unmittelbaren Gegenwart entwickeln wir Szenarien und experimentelle Produkte für eine mögliche und wünschenswerte  Zukunft. Das kann ganz allgemein mit Hinblick Farbe passieren, aber auch mit Hinblick auf ein ganz bestimmtes Produktsegment. Aktuell bearbeiten wir eine Studie zu Fassade und Putz (rendering/CODES) sowie der Oberfläche der Zukunft (Surface Lab V). Unsere Studie „Farben des Wohnens“ läuft bereits seit über zehn Jahren und wird kontiniuierlich erweitert. Bis jetzt sind wir bei einem Zyklenzeitraum von 1955 bis 2015. Dazu arbeiten wir als Institut mit Herstellern im Segment Farbe, Boden und Wand, etc. zusammen.

 

 

Welche Wirkung hat Farbe auf unser Wohlbefinden, unser Verhalten und unsere Stimmung und wie wird sie gemessen?

 

Farbe ist schreiend und flüsternd, weich oder hart, leicht oder schwer, duftend oder riechend, süß oder sauer, nah oder fern, jung oder alt. Farbe vereint Eigenschaften aus allen menschlichen Sinnen und bildet damit eine Metaebene, die alle Formen der visuellen Kommunikation beherrscht.

Farbe beeinflusst die Wirkung von Typografie und Illustration, analoger und digitaler Grafik, Fotografie und Film, Markenbotschaften und Corporate Identities, Werbung, Produkt- und Verpackungsdesign, sowie Ausstellungen, Innenraumgestaltung und Architektur. In verschiedenen Umfragen nennen Konsumenten Farbe als eines der wesentlichsten Entscheidungskriterien für ein Produkt.

Eine Welt ohne Farbe hätte weitreichende Folgen. Denn Farbe kommuniziert Bedeutungen, die uns das schnelle Erkennen von Botschaften ermöglicht. Besonders in der Fähigkeit zur differenzierten Unterscheidung liegt der Mehrwert von Farbe. Wer Farbe lesen kann, erkennt unterschiedliche Produktqualitäten wie Frische und Geschmack oder Materialität bereits von weitem.

Ähnlich wie die Sprache haben wir die Bedeutung von Farben zum großen Teil erlernt. Allerdings nicht durch den bewussten Umgang mit Buchstaben und Worten, Grammatik und Satzbau, sondern zum allergrößten Teil durch das unbewusste Beobachten und Verinnerlichen der Welt, die wir mit unseren angeborenen Sinnen aufnehmen. Daher ist die Bedeutung von Farbe anders als schriftliche Botschaften ungleich subtiler und schwerer zu entschlüsseln. Das Sehen von Farbe gleicht einer Sprache, die wir zwar irgendwie verstehen, deren Grammatik wir in den meisten Fällen aber nicht kennen.

 

Gutes Farbdesign ermöglicht lesbare und identifizierbare Objekte und Räume in beinahe allen Lebensbereichen. Identifizierbar bedeutet, diejenigen Farben und Materialien auszuwählen, welche die Essenz des Objektes oder Raumes im zeitlichen und räumlichen sowie funktionalen Kontext unterstreichen. Durch die Anwendung spezifischer Methoden des Farbdesigns können wir die Codes oder die Sprache der Farbe kontextgebunden an die Gegenwart und mögliche Zukunft anpassen. Messen können wir das an der Akzeptanz unserer Räume und Produkte.

 

Womit hängt die Reaktion des Menschen auf Farben zusammen?

 

Wir alle wachsen mit sehr ähnlichen Sinnesorganen, in einer prinzipiell sehr ähnlichen Umwelt auf, welche die Signale der Farbe über Jahrzehnte gesellschaftlich erprobt und kultiviert hat. Wir sind in unserer farblichen Bildung allerdings keineswegs allein, sondern stehen in einem dialogischen Gleichgewicht mit anderen. Das geht so weit, dass das Fernsehen und andere Medien unsere Erfahrung mit Farbe beeinflussen und dazu beitragen, dass wir unsere internen Farbcodierungen der Zeit anpassen. Tatsächlich sind die Bedeutungen der Farbe nicht final angelegt sondern mehr oder weniger flexibel und veränderlich. Die Reaktion des Menschen auf Farbe hängt einfach von der Erfahrung, die er mit dieser Farbe gemacht hat zusammen. Zeitgleich beeinflusst der Kontext in dem sich die Farbe befindet die Wahrnehmung selbst. Sie sehen, es gibt hier keine einfache Antwort. Nicht die Farbe ist der Auslöser von Reaktionen, der Mensch bringt seine eigene Reaktion selbst hervor. Farbe ist immer reflexiv und selbstreferentiell.

 

Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der Verbindung von Farbwahrnehmung und Oberflächenanmutung, von Farbe und Haptik. Wie hängen diese beiden Bereiche zusammen?

 

Die Bedeutung von Farbe wird verständlich, wenn wir begreifen, dass Menschen farbige Szenarien immer mit Erinnerungen oder Sehgewohnheiten abgleichen. Das passiert meist unbewusst, ist aber über die lange Zeit des Aufwachsens und Sozialisierens geprägt. Grau-Beige-Töne erinnern an Sandstein, dunklere Brauntöne an Erden, Grün an Blätter, etc., Pink wird oft mit Kunststoffen in Verbindung gebracht. All diese Erfahrungen sind intermodal mit haptischen und taktilen Empfindungen verknüpft. Ein frisches Blatt fühlt sich anders an als Sandstein, Erde anders als Kunststoff. Über die Farbe können Materialeigenschaften eines Objektes definiert werden. Ein schwarzer Karton wirkt schwerer als ein weißer, eine rosafarbene Form wirkt weicher als eine dunkelgraue.

 

Essentiell für die Arbeit mit Farbe ist das Bewusstsein über das zu färbende Produkt. Wenn ich Kategorien festlegen kann, die ein Produkt erfüllen soll, so fällt es relativ leicht, eine passende und unterstützende Farbe auszuwählen. Wichtig ist das Bewusstsein, dass die Bedeutung eines Produktes durch die Anwendung von Farbe enorm veränderlich ist. Mir ist es wichtig, Farbe integriert anzuwenden und als eine Information zu begreifen, die 1. rein optisch wirkt, die 2. alle Sinne mitnimmt und die 3. eine kulturelle Bedeutung hat.

 

 

Was hat sich in den 40 Jahren, die der Studiengang jetzt besteht, verändert? Gibt es einen Wandel in der Gesellschaft im Hinblick auf Farbempfindung und Farbverständnis?

 

Vor 15 Jahren wurden noch handwerkliche Oberflächentechniken gelehrt, heute ist das Studium fast ausschließlich digital. Mit dem Zusatz, dass das Zusammenspiel und die Übersetzung analoger und digitaler Aspekte prägend für das Farbdesign bleibt. Aber: Statt mit der Rolle arbeiten wir heute mit dem Sublimations-Drucker, statt Scrafitto-Techniken lasern wir heute MDF und Plexiglas. Im Vordergrund stehen nach wie vor Farbkonzepte, Projektentwicklung und Farbplanung. Die Tools haben sich geändert. Durch neue technische Möglichkeiten wird Farbdesign im Feld von Individualisierung und Kleinserie an Bedeutung gewinnen. Besonders in Zeiten in denen zunehmend jeder digital gestalten kann, werden durchdachte, sensible und verlässliche, modulare Designkonzepte wichtig. Dazu wird auch das Farbdesign verstärkt serviceorientiert. Wir verkaufen heute keine Farbe mehr, sondern Erlebnisse. Storytelling, Moodmanagement, Color-Consulting und Service-Design prägen das Farbdesign der Zukunft. Trends wie Neuromarketing oder Sensory Branding entdecken das multisensuelle Potential der Farbe gerade erst.

 

Wie entsteht die Vorliebe für eine bestimmte Farbe? Ist das angeboren oder aus dem kulturellen Kontext heraus zu erklären?

 

Diese Frage ist schwer zu beantworten ohne einen Farbkontext zu kennen. Aber: Das Spektrum der Farbvorlieben oder Lieblingsfarben ist in der Regel auf Rot, Grün, Blau und Schwarz beschränkt. Ich aber möchte gern wissen: Was genau ist das für ein Rot, welche Materialität und sensuelle Qualität verbindet ihr damit? In welchem Kontext seid ihr dabei unterwegs? Beschreibt ihr euch über die Farbe selbst oder einfach den aktuellen Lieblingspullover? Ehrlich gesagt, ich weiß nicht genau was eine Farbvorliebe ist, ohne einen Kontext zu kennen. Farbe für sich ist irrelevant, so wie einzelne Buchstaben nichts bedeuten.

 

Wie ist Ihre Prognose für die Farbtrends der nächsten Jahre? Gibt es Farben, die absolut „out“ sind?

 

Die Zukunft stellen wir uns immer bunt vor. Mal blassbunt, mal knallbunt. Die Realität sagt etwas anderes. Die Gegenwart ist unbunter als Sie denken. Zukunft ist folglich „in“ Gegenwart ist „out“. Farbtrends wecken bestimmte Erwartungen an eine farbige Zukunft. „Out“ ist es, nicht in Farbe zu denken.

 

Was ist Ihre ganz persönliche Lieblingsfarbe?

 

Sanft, auffällig und wachsend.

 

Timo Rieke im Interview mit „Agenda Farbe“ Januar 2016

Timo Rieke lehrt seit 2011 als Vertretungsprofessor Farbdesign an der HAWK in Hildesheim. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Verbindung von Farbwahrnehmung und Oberflächenanmutung sowie Farbe und Haptik in den Bereichen Produkt/Objekt/Raum. Er ist Mitglied des Vorstandes des Deutschen Farbenzentrums e.V. (DFZ) und Teil des Institute International Trendscouting (IIT) in Hildesheim sowie Gründer des Visual Haptics Lab in Hannover.

„Farben im Büro“

Interview Impulse, uncut

  1. Wir wirken sich Farben auf unser Arbeitsverhalten aus bzw. Wie beeinflussen Farben unser Arbeitsverhalten?

 

Zuerst müssen wir mit einem Missverständnis aufräumen: Farben allein werden sich nie direkt und gezielt auf unser Verhalten auswirken. Sie müssen immer den Gesamtzusammenhang von Innenarchitektur, Lichtdesign sowie Farbe und Material berücksichtigen. Dann wird Farbe zu einem mächtigen Instrument. Leider wird die Farbe in diesem Trio oft vernachlässigt.

 

Farben wirken auf mehreren Ebenen: Sie können Funktionen visualisieren, sensuelle Empfindungen auslösen und kulturelle Werte vermitteln.

 

Funktional eingesetzt werden Farben zur Sicherung guter Ergonomie und Bedienungsfreundlichkeit. Die Funktion ist das Hervorheben oder Verstecken. Not-Aus-Schalter und Feuerlöscher sind grundlegende Beispiele für die funktionale Anwendung von Farbe im Arbeitsumfeld. Funktionale Bedeutung haben Farben aber auch, wenn Sie bestimmte, wichtige Bereiche in Ihrem Büro, wie den Empfangsbereich, hervorheben, oder andere, unwichtige eher verhüllen oder gezielt abgrenzen. Das trägt zur Lesbarkeit und Transparenz Ihrer Bürostruktur bei und erleichtert Abläufe.

 

Neben der funktionalen Bedeutung, sprechen Farben und farbige Materialien als Farb- und Materialkompositionen die sensuelle und emotionale Wahrnehmung des Menschen an. So können Sie Kommunikations- oder Konzentrationsbereiche und Regenerationsbereiche farblich differenzieren. Das unterstützt ein angemessenes, produktives Arbeitsklima ohne zusätzliche Belastung.

 

Zuletzt kann ein gutes Konzept kulturelle Werte wie Unternehmenshistorie und -philosophie, Status, Wertigkeit, Gruppen- oder Marken-Zugehörigkeit integrieren und in Farben und Farbklänge übersetzen. Das steigert die Identifizierbarkeit eines Unternehmens nach Innen und nach Außen.

 

 

  1. Was sagen gewählte Farben über ein Unternehmen aus – gegenüber einem Unternehmen mit weißen Wänden?

 

Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Ein weißer Raum kann sehr gut geplant sein und ein farbiger Raum abstoßend wirken. Die Qualität des Farb- und Materialkonzeptes in Zusammenwirkung mit der Art der Architektur, der Innenarchitektur und dem Lichtkonzept wäre hier für eine Aussage entscheidend. Ein neuer weißer Anstrich ist in einem Büro der 90er Jahre mit hochwertiger Raufaser vielleicht richtiger, als der Versuch, dieses Umfeld mit einem farbigen Anstrich irgendwie liebenswerter zu machen. Eine nicht zeitgemäße Gestaltung können Sie mit Farbe allein nicht retten. Ansonsten definiert das Unternehmen, welche Werte es in seinen Räumen spiegeln möchte. Für jedes dieser Werte lässt sich ein adäquates Farbkonzept entwickeln. Möglicherweise wird das auch mal cleanes Weiß oder elegantes Grau.

 

  1. Warum ist es wichtig, sich bei der Arbeit wohl zu fühlen?

 

Ich bin nicht sicher, ob es für alle Menschen wichtig ist. Ich selbst arbeite lieber in einem angenehmen Arbeitsumfeld. Und ich denke das geht den meisten Menschen ähnlich. Räume beeinflussen unser Empfinden enorm. Ein schlauer Mensch hat einmal gesagt: „If you don`t like it, you don´t come again.“ Wenn der Arbeitgeber es nicht schafft, dass sich ein Angestellter wohl fühlt, dann läuft etwas falsch. Gut, nur zu einem extrem geringen Prozentsatz ist daran die Farbe der Wände beteiligt. Der Umgang des Unternehmens mit Raum, Licht, Farbe und Material spiegelt allerdings das Selbstbild und den Zustand eines Unternehmens und sagt oft sehr viel über die Unternehmenskultur aus. Nicht die Farbe ist die Ursache, sie ist das Symptom.

 

  1. Können Sie erläutern, wie Farben unterbewusst wirken?

Während unseres Lebens machen wir tausende Erfahrungen mit Farbe, mit Objekte, mit Räumen, ob in der Natur oder in urbanen Zentren. Ähnlich wie beim Erlernen von Sprache filtern und verinnerlichen wir die Codes, die Farbe spricht. Diese kumulierten Erfahrungen werden im Prinzip permanent abgerufen um die Umwelt um uns herum zu deuten und zu verstehen. Die Verknüpfung von Farbe und Atmosphäre oder Materialanmutung ist sehr tief in uns angelegt und die meisten Menschen gehen tatsächlich nicht bewusst mit dem Faktor Farbe um sondern reagieren eben auf die äußeren Reize. Diese entscheiden darüber, ob wir etwas mögen oder als stimmig, authentisch und qualitätvoll wahrnehmen, auch wenn wir garnicht erklären können, warum das so ist. Unsere Reaktion auf Farbe ist affektiv, so, wie wir affektiv auf Musik oder die Art und Weise von Sprache und Stimmungen reagieren.

 

  1. Welche Farbe hat welche Wirkungen – bzw. welche Farbkombinationen? Konkret: Welche Verhaltensweisen werden durch welche Farben angeregt?

Es ist im Vorhinein leider unmöglich zu sagen, welcher Farbton für einen bestimmten Zweck der richtige ist. Im Allgemeinen lassen sich funktionale Aspekte eher mit dem Kontrast von sehr auffälligen, intensiven Farben zu verschatteten oder getrübten Farben bewerkstelligen. Natürliche, getrübte und stark aufgehellte Farben wirken sensibler als kräftige Farben. Dunkel Farben wirken schwerer und tiefer, ruhiger. Die voll gesättigten Farben aus dem Farbkreis werden Sie in den Farbkonzepten zu Innenräumen nur als Auszeichnung oder Akzent finden, wenn Sie eine Farbe der Corporate Identity übernehmen. Diese Farben sind oft eher stark, weil sie Aufmerksamkeit erregen sollen. Im Arbeitsumfeld brauchen Sie meist Farben, die sich eher im Hintergrund bewegen und eine gute Basis schaffen.

 

  1. Sollte man darauf achten, welche Farbe ein Unternehmen wo einsetzt?

 

In einem sehr dynamischen Raum werden sie Schwierigkeiten haben, konzentriert zu arbeiten, Sie werden aber selbst offener, die eigenen, eingefahrenen Bahnen zu verlassen. Um kreativ zu sein, brauche ich ein anderes Arbeitsumfeld als für präzise, genormte Abläufe. Das anregende, kreative Umfeld, in dem Teams auf Ideen kommen, darf emotional, wild und bunt sein, das präzise Umfeld, ausführender, Konzentrationsarbeit Einzelner, zurückgenommen, kühl und funktional. Der kommunikative Bereich in Konferenzräumen ist lebendiger gestaltet als der Konzentrationsbereich der Büros oder kleiner Besprechungsräume, die farblich möglichst wenig ablenken. Der Regenerations- oder Pausenbereich erinnert im Kontrast dazu eher an Leichtigkeit, Natur, ein Spaziergang in Wald und Wiese.

 

Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, den Kundenbereich vom Mitarbeiterbereich klar zu unterscheiden. Im Bereich Kundenkontakt spielen Markenfarbigkeiten eine größere Rolle als im Mitarbeiterbereich, weil jeweils andere Kriterien anzusetzen sind. Der Kundenbereich kann atmosphärisch stark, abenteuerlich, bunt und einnehmend sein, während der Bürobereich eher nüchtern daher kommt. Aber auch da fließen inzwischen die Grenzen ineinander, denken Sie an das Google- oder Disney-Office von Clive Wilkinson.

 

  1. Wieso haben Farben überhaupt Auswirkungen auf unsere Emotionen?

 

Alles, was wir sehen, fühlen, hören, schmecken oder riechen hat Auswirkungen auf unsere Emotionen. Farbe verbindet das, ist schreiend oder flüsternd, weich oder hart, leicht oder schwer, duftend oder riechend, süß oder sauer, nah oder fern, jung oder alt. Farbe vereint Eigenschaften aus allen menschlichen Sinnen und bildet damit eine Metaebene, die alle Formen der Kommunikation beherrscht. Stellen Sie sich vor, es gäbe keine Farben. Manches Arbeitsumfeld sieht tatsächlich so aus, als ob menschliche Emotionen und Bedürfnisse keine Rolle spielen.

 

  1. Was bedeutet es für die Mitarbeiter, wenn die Wände bunt und nicht weiß sind? Motivation, etc?

 

Das Unternehmen hat eine klare Vorbildfunktion. Wenn ein großes Büro gut gestaltet ist, dann kann das dazu beitragen, dass der Mitarbeiter die Werte des Unternehmens versteht, diese für sich umsetzt und in seiner Arbeit auch anwendet. Weiters kann durch ein gewisses, farbliches Reizklima, durch Kontraste in den Raumfunktionen und Raumsequenzen, ein Umfeld geschaffen werden, das abwechslungsreich ist und nicht ermüdet, sondern anregt.

 

  1. Was erhofft sich ein Chef dadurch, wenn er die Wände für das Empfinden seiner Mitarbeiter streichen lässt?

 

Der Chef sollte die Wände nicht streichen wie er denkt, dass die Mitarbeiter es gern hätten, das ist zu kurz gedacht. Die Farbgestaltung sollte aus Sicht des Chefs seine Firmenphilosophie wiederspiegeln und einen authentischen, ehrlichen Eindruck vermitteln. Durch Farbe lässt sich niemand manipulieren, aber die richtigen Signale lassen sich rausarbeiten, damit das Arbeitsumfeld produktiv und menschlich zugleich ist.

 

  1. Was sind eventuelle Vor- und Nachteile von bunten Wänden gegenüber weißen Wänden?

 

Weiße Wände sind undefiniert, das lässt zwar Raum für Phantasie, sie bleiben aber oft unentschieden und undefiniert, leer und lose. Farbige Wände haben das Problem der getroffenen Entscheidung. Wenn eine Wand farbig ist, dann muss der Farbton stimmen, sich in das Umfeld eingliedern, zum Unternehmen passen, Zonen definieren, den Mitarbeitern gefallen und am liebsten fünf Jahre in aller Frische halten. Farbige Wände haben den Nachteil, dass sie gewissenhaft geplant werden müssen. An guter Planung aber sehen Sie dann auch das (Selbst-)Bewusstsein eines Unternehmens. Das lohnt sich für alle.

Timo Rieke im Interview mit Impulse, Hamburg, Stand: 3.9.2016

Authentizität

Produktdesign lesbar und Architektur identifizierbar machen

Kulturelle Wirkung von Farbe
Wir alle bewerten Farbe aus den Erfahrungen, die wir mit ihr gemacht haben. So kann ein Produkt oder ein Gebäude anhand nachvollziehbarer Kriterien in eine bestimmte Phase des 20. Jahrhunderts eingeordnet werden. Wir kennen die Farbsprache der fünfziger Jahre und können sie von der Farbsprache der 90er Jahre unterscheiden. Selbst wenn wir diese Zeit nicht selbst erlebt haben, werden die Kodierungen über die Medien kommuniziert und in der gesellschaftlichen Wahrnehmung mehr oder weniger gefestigt.

Farbe ist Herkunft und Zukunft
Für die zukünftige Farbgestaltung eines Objektes ist es hilfreich, den historischen und örtlichen Kontext des Produktes zu definieren und die Farbsprache des umgebenden Farbmilieus zu untersuchen. Die Herkunft verrät etablierte Farbcodes und erleichtert die Kommunikation eines Produktes im Milieu der Zielgruppe. Als Kriterium von Qualität spielt Authentizität eine entscheidende Rolle. Die Zukunft der Farbe ist allerdings frei.

Farbsymbolik
Zur kulturellen Wirkung von Farbe gehört auch das Kapitel Farbsymbolik. Farbsymbolik war in früheren Jahrhunderten ausgeprägter als es heute der Fall ist. Als nur ein kleiner Teil der Gesellschaft lesen konnte, vermittelte Farbe einfache Botschaften. So gibt es religiöse Bedeutungen von Farbe (Lithurgie), Farben, die Königen vorbehalten waren, oder Farben, die für bestimmte Rituale stehen (Hochzeit, Begräbnis, …). Diese Farbcodes haben insofern kulturelle Bedeutung, weil sie Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens definieren.

Die Konventionen oder Klischees der Farbsymbolik sind wahrscheinlich die einfachste Sprache die wir mit Farbe sprechen können. Leider verbleibt die Symbolik oft bei den einfachen Grundfarben. Die einfache Farbsymbolik ist für die meisten heutigen Designaufgaben lediglich ein Startpunkt um eine passende Farbe zu finden oder bestimmte Farbklischees zu vermeiden.

Visuelle Kommunikation ist haptische Kommunikation

haptic visuals 2003

„Begreift man, dass die Interpretation des Seheindrucks zu einem Großteil auf körperlichen Erfahrungen beruht, so werden Gestaltungselemente wie Farbe Spielelemente einer auf Bewegungsdynamik und unmittelbarem Gefühl beruhenden Welt.“ haptic visuals, 2003

Während optische Farbkonzepte vornehmlich die Unterschiedlichkeit, Wichtigkeit und Position eines Objekts über die menschlichen Fernsinne (Sehen und Hören) markieren, betrifft der zweite entscheidende Faktor eines Farbkonzepts die Erzeugung von Empathie und persönlicher Nachvollziehbarkeit über die direkt körperlich empfundenen Nahsinne (Fühlen, Riechen, Schmecken).

Farbe ist Inhalt, nicht Oberfläche
Ein sensuell-haptisches Farbkonzept greift die gewohnheitsmäßige, intermodale Vernetzung aller Sinne auf. Das kann gelingen, weil Farbe bestimmte Erwartungen an körperliche Gefühle weckt. Farben wirken rau oder glatt, weich oder hart, spitz oder rund, schwer oder leicht, flach oder räumlich. Um Farbbedeutungen zu verstehen, ist es also hilfreich, das Sehen als eine Form des Fühlens, aber auch des Hörens und des Riechens auf Entfernung zu begreifen. Farbkonzepte müssen also gefühlte Strukturen und Objekteigenschaften, ja sogar räumliche, akustische und olfaktorische Bedeutungen herausfiltern und berücksichtigen.

Farbe als emotionaler Raum
Ein gutes haptisch-sensuelles Farbkonzept kann die Sinne des Menschen stimulieren und die besondere emotionale Beziehung zu seiner Umgebung hervorheben und stärken. Gestalter konstruieren objekthafte Räumlichkeit über die Definition von Licht und Schatten, legen Schwere und Leichtigkeit über Helligkeiten fest, beeinflussen Dynamik, Geschwindigkeit und Lautstärke über aktive oder ruhende Farben und definieren Nähe und Entfernung über Sättigungen. Die körperlichen Faktoren der Farbe können in ein dreidimensionales Farbsystem übersetzt werden, das zwischen Helligkeiten (schwer/leicht, unten/oben), Sättigungen (nah/entfernt, bewegt/unbewegt) und Farbtonunterschieden (kalt/warm, spitz/rund) unterscheidet. Die drei optischen Variablen eines Farbsystems verweisen also systematisch auf bekannte Sehgewohnheiten und Gefühle körperlicher Art.

Optische Wirkungen

Farbe und Typografie

Farben fügen einem Produkt eine Ebene hinzu, die das Produkt in seiner Wirkung verändert.

Daher ist Farbdesign immer ein entscheidender Faktor im Entwurfsprozess. Selbst der Verzicht auf Farbe erfordert eine Entscheidung, sprich, ein Farbkonzept.

Leben in Graustufen?

Warum eigentlich nicht?

Viele Menschen halten Farbe für überflüssig. Und tatsächlich kämen wir durchaus ohne Farbe aus. Viele Aspekte des Lebens funktionieren auch in Graustufen, Schwarz und Weiß.

Ich halte Farbe dann für außerordentlich wichtig, wenn sie Kommunikation für Menschen erleichtert. Und das ist eigentlich ständig der Fall. In vielen Fällen ermöglicht allein Farbe das Finden, Identifizieren und Erkennen eines Sachverhaltes oder einer Emotion. Produkte im Supermarkt allein über Schrift und Typografie zu unterscheiden ist vorstellbar. Es ist allerdings davon auszugehen, dass der Einkauf dann ein Vielfaches an Zeit in Anspruch nehmen würde. Farbe schafft Ordnung, und Ordnung schafft Orientierung.

Die Stärke der Farbe liegt in der schnellen Vermittlung eines Codes, der weitgehend unbewusst funktioniert. Wir nehmen die Bedeutung der Farbe an, als wäre sie bereits immer da und eine ganz natürliche, unmittelbare Wahrnehmung. Daher können wir auch so schlecht unterscheiden, ob Farbbedeutungen angeboren sind oder nicht. Es ist eher wie bei der Sprache. Die Fähigkeit zu sprechen ist angeboren, die Anwendung der komplexen Bedeutungen von Sprache müssen wir allerdings Stück für Stück erlernen. So verstehen wir je nach Erfahrungsgrad die farbigen Signale von Äpfeln, reifen Bananen oder Schokoladenverpackungen, Ampeln, Parteien oder Markenidentitäten und Corporate Colors.

Farbe und ihre Nuancen definieren gesellschaftliche Riten, technische Funktionalitäten, Geschmacksfragen, Produkterwartungen, Geschlechterrollen, Haptik und Feingefühl sowie gesellschaftliche Klischees und Zugehörigkeiten. Die Farbauswahl ist deshalb in allen Bereichen des Lebens wichtig, weil Farbe ein entscheidender Faktor zur erfolgreichen Orientierung innerhalb unserer Gesellschaft ist.

Die Sprache der Farbe

anekdotische Farbkonzepte

Farbe ist schreiend und flüsternd, weich oder hart, leicht oder schwer, duftend oder riechend, süß oder sauer, nah oder fern, jung oder alt. Farbe vereint Eigenschaften aus allen menschlichen Sinnen und bildet damit eine Metaebene, die alle Formen der visuellen Kommunikation beherrscht.

Farbe beeinflusst die Wirkung von Typografie und Illustration, analoger und digitaler Grafik, Fotografie und Film, Markenbotschaften und Corporate Identities, Werbung, Produkt- und Verpackungsdesign, sowie Ausstellungen, Innenraumgestaltung und Architektur. In verschiedenen Umfragen nennen Konsumenten Farbe als eines der wesentlichsten Entscheidungskriterien für ein Produkt.

Eine Welt ohne Farbe hätte weitreichende Folgen. Denn Farbe kommuniziert Bedeutungen, die uns das schnelle Erkennen von Botschaften ermöglicht. Besonders in der Fähigkeit zur differenzierten Unterscheidung liegt der Mehrwert von Farbe. Wer Farbe lesen kann, erkennt unterschiedliche Produktqualitäten wie Frische und Geschmack oder Materialität bereits von weitem.

Ähnlich wie die Sprache haben wir die Bedeutung von Farben zum großen Teil erlernt. Allerdings nicht durch den bewussten Umgang mit Buchstaben und Worten, Grammatik und Satzbau, sondern zum allergrößten Teil durch das unbewusste Beobachten und Verinnerlichen der Welt, die wir mit unseren angeborenen Sinnen aufnehmen. Daher ist die Bedeutung von Farbe anders als schriftliche Botschaften ungleich subtiler und schwerer zu entschlüsseln. Das Sehen von Farbe gleicht einer Sprache, die wir zwar irgendwie verstehen, deren Grammatik wir in den meisten Fällen aber nicht kennen.

Gutes Farbdesign ermöglicht lesbare und identifizierbare Objekte und Räume in beinahe allen Lebensbereichen. Identifizierbar bedeutet, diejenigen Farben und Materialien auszuwählen, welche die Essenz des Objektes oder Raumes im zeitlichen und räumlichen sowie funktionalen Kontext unterstreichen. Durch die Anwendung spezifischer Methoden des Farbdesigns können wir die Codes oder die Sprache der Farbe kontextgebunden an die Gegenwart und mögliche Zukunft anpassen. Messen können wir das an der Akzeptanz unserer Medien, Räume und Produkte.

Grassimesse Leipzig

ausstellung mit dem institute international trendscouting

Besuchen Sie unsere Ausstellung auf der Grassimesse in Leipzig (23.-25. Oktober 2015).

Die eigens für den Anlass der Messe konzipierte Ausstellung vermittelt die Arbeitsmethoden der Zukunftsforschung Farbe in Zusammenarbeit mit dem Institute International Trendscouting, Hildesheim. Die Ausstellung schließt den Bogen von der Vergangenheits- und Gegenwartsbetrachtung Farbe über experimentelle Oberflächenstudien bis zu den Farbtrends 2016/17.

http://www.grassimesse.de/de/aktuell/

 

ancient tactile surfaces and technological production

oberflächendesign, versteinerungen

Neue Technologien werden interessant, wenn sie mit historischen Szenarien verbunden werden. Gleichzeitig können moderne Materialien die Atmosphäre des historischen aufnehmen und zu einem ganz neuen Spannungsfeld werden. Es ist nicht mehr zu entscheiden, ob das Ergebnis alt oder neu ist. Zeitrichtig ist es allemal.

historical tactile surfaces and technological production

oberflächendesign, höhlenmalerei, holzimitation

Neue Technologien werden interessant, wenn sie mit historischen Szenarien verbunden werden. Gleichzeitig können moderne Materialien die Atmosphäre des historischen aufnehmen und zu einem ganz neuen Spannungsfeld werden. Es ist nicht mehr zu entscheiden, ob das Ergebnis alt oder neu ist. Zeitrichtig ist es allemal.

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color spectrum emotion

farbspektren in kombinatorik, helligkeit und kontrast

Farbspektren in einfacher emotionaler Einordnung. Serienkollektion in 25 Stufen und 25 Emotionslagen.

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acoustic system color and pattern

modulare Akustikelemente, Farbe und Form

artificial nature

zwischen künstlichkeit und natürlichkeit

Unsere Art der Wahrnehmung und unsere Sozialisation lässt bestimmte Muster und Sehgewohnheiten entstehen. Farbe ist immer ein Verweis auf natürliche Oberflächenmaterialität. Farbe kann Materialien schwer, leicht oder weich wirken lassen. Dazu vermittelt Farbe komplexe emotionale Zusammenhänge, wirkt haptisch und kann kitzelig, gradlinig oder spitz wirken. Eine grafische Oberflächenstruktur kann in Zusammenhang mit einer Farbe zu einem stimmigen Gebilde mit stimmiger Oberflächenqualität werden. Die Botschaft eines Oberflächenmaterials kann dadurch gezielt eingesetzt werden. Wir gestalten im Kurs Oberflächenkompositionen als Prototypen für den Bereich Automotive, Color & Trim, Wand, Boden oder Decke.

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color research

haptic visuals - oberfläche und struktur - farbe und ihre beziehung zur tastwahrnehmung

Die taktil-haptischen Signale, die von den Zeichen ausgehen, bezeichnen die Struktur und Gliederung einer Oberfläche. Es entsteht so eine Basis für die Gestaltung von Oberflächen. Im Rahmen der Stimmigkeit von Bedeutungen ist diesen Grundkriterien Folge zu leisten. Nur so kann ich die Farbe in ihrer Struktur verstehen und von anderen signifikant unterscheiden. Eine leichte Farbe mit einer schweren Struktur verweist auf einen Gegensatz, der in der Wahrnehmung paradox wirkt und nicht verstanden werden kann. Die Farbe versucht in diesem Fall aus der Struktur eine andere zu machen als sie eigentlich ist, sie versucht, abzuschwächen, zu verniedlichen.

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raw nature

raw color and material scenarios for product and interior design

visualizing color scenarios

color combination as a method of conceptualizing product ranges

surface studies

hawk surface lab has been displayed at Bau 2012 in Munich

DETAIL research White Cube

Produkt: HAWK SURFACE LAB

Themenbereich des Produktes: Material-Design / Trends

Hersteller: HAWK Institute International Trendscouting / Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Hildesheim, Holzminden, Göttingen, Fakultät Gestaltung/Studierende des Kompetenzfeldes Farbdesign unter Leitung von Dipl.-Des. Timo Rieke, Verw.-Prof. mit Dipl.-Des. Martin Brandes, Wissenschaftlicher Mitarbeiter

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trendscouting july 2015

scouting session with the institute international trendscouting and zukunftstil

Our trendscouting workshop was leading to three different main trends. One is basic_prime a scenario that is build upon vivid red, blue and yellow. These basic colours are surrounded by a grounded yellowish grey, anthrazith, emotional rose and heavenly light blue. This is basic but playful. A known scenario taken from history broken by naive and  childish behavior, settled in neutrals. Second is re_comfort, a scenario that takes place now but is settled in the unfearful times before HIV and oil crisis in the early seventies. Vivid but earthy.

 

trendscouting

winter session 14/15

detail praxis

Farbe: Entwurfsgrundlagen, Konzeptionelles Farbdesign, Gestaltung von Raumatmosphären

Timo Rieke, Verw.-Prof., Dipl.-Des. (Lehrgebiet Farbdesign an der HAWK Hildesheim) ist Co-Autor der Publikation DETAIL-Farbe. Sein Beitrag “Farbkonzepte” ist Teil des Buches von Autor und Herausgeber Prof. Dr. Axel Buether innerhalb der Reihe “DETAIL-Praxis”.

“DETAIL Praxis – Farbe: Entwurfsgrundlagen, Konzeptionelles Farbdesign, Gestaltung von Raumatmosphären

Farbe in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Farben wirken auf den Menschen, sie erzeugen Emotionen und wecken häufig Erinnerungen. Mit Farben beschäftigen sich daher nicht nur Künstler, sondern auch Naturwissenschaftler, Psychologen, Planer, Schriftsteller etc. Für den Architekten gehört die Farbwahl zu einer sehr anspruchsvollen Aufgabe, die – professionell umgesetzt – enorme Wirkung erzielen kann.

Dieser Band aus der Reihe DETAIL Praxis vermittelt die für jeden Architekten relevanten Fachkenntnisse im Umgang mit Farben: von der Farbtheorie und den Gesetzen der Farbharmonie über Grundlagen der Farbwahrnehmung und -wirkung bis hin zu Strategien für die Entwicklung schlüssiger Farbkonzepte im Entwurfsprozess. Farbe in Stadt und Land, historische Betrachtungen zur Farbkultur, Fakten zu wesentlichen Raumwirkungen, zur Materialität, zum Einfluss von Licht und Farbe auf den Entwurf sowie zu Farbordnungen und -systemen runden den Theorieteil der Publikation ab. Verschiedene internationale Projektbeispiele im Innen- und Außenraum zeigen darüber hinaus den gelungenen Umgang mit Farbgestaltung und liefern Inspirationen für die eigene Praxis.

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color combinator 2014

easy tool for color design

farbe als experiment

video dokumentation

Video-Dokumentation „Farbe als Experiment“

a question of color

wie wir sehen, was wir sehen

bouquet des fleurs

multicolored scenarios for overwhelming atmospheres in fashion and interior design

visual haptics – zum zusammenhang von haptik und farbwahrnehmung

vortrag: litg-tagung licht und lebensqualität, weimar

Abstract: „Begreift man, dass die Interpretation des Seheindrucks zu einem Großteil auf körperlichen Erfahrungen beruht, so werden Gestaltungselemente wie Farbe Spielelemente einer auf Bewegungsdynamik und unmittelbarem Gefühl beruhenden Welt.“ Farbe weckt bestimmte Erwartungen an körperliche Gefühle. Farben wirken rau oder glatt, weich oder hart, spitz oder rund, schwer oder leicht, flach oder räumlich. Um Farbbedeutungen zu verstehen, scheint es hilfreich, den Seheindruck direkt mit dem Tastsinn zu korrelieren. Die Studie „haptic visuals – Oberfläche und Struktur – Farbe und ihre Beziehung zur Tastwahrnehmung“ untersucht diese Zusammenhänge und zeigt, dass sich die haptischen Faktoren der Körperfarben in ein dreidimensionales System übertragen lassen, das zwischen Farbtönen (kalt/warm, spitz/rund), Helligkeiten (schwer/leicht, oben/unten) und Intensitäten (nah/entfernt, bewegt/unbewegt) unterscheidet. Identifizierbare Gestaltungen von farbigen Oberflächen, Formen und Räumen hängen direkt mit der Beurteilung der Farbe unter haptischen Gesichtspunkten zusammen.

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the future of color and material

focusing color on the subjects of tomorrow

farbe als experiment

international conference in wuppertal

Farbe als Experiment?

Vom 25. bis 26. September 2014 veranstalten das Deutsche Farbenzentrum e.V. (DFZ) und die Bergische Universität Wuppertal eine internationale Konferenz zum Thema „Farbe als Experiment“.Die versammelten Wissens- und Anwendungsgebiete der Farbe präsentieren aktuelle Forschungs- und Entwicklungsfragen ihrer Disziplinen in einem universitären Sinne von Weiterbildung, der sich durch Partizipation, Interdisziplinarität und Wissenstransfer auszeichnet. Die im Rhythmus von zwei Jahren stattfindende Farb-Konferenzreihe bietet ein mittlerweile anerkanntes Forum interdisziplinärer, fachwissenschaftlicher wie anwendungsorientierter Weiterbildung und Vernetzung in Bildung, Handwerk, Technik und Design, in Geistes- und Naturwissenschaften, in Kunst, Architektur und Medien.

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Tanz Exhibition Graphics

Deutsches Hygienemuseum Dresden

 

 

 

surface storytelling

combination of traditional motifs and technology

Known surface structures and finishes have an elementary impact on the perception of materials. The combination of traditional techniques and up-to-date technology creates atmospheric and fascinating products.

farbige bauprodukte für die zukunft

Ausstellung disPLAY III, Duisburg

Im November 2014 wurde die Sonderaustellung „disPLAY03, Farbe als Experiment“ im Rahmen des Kongresses ArchitekTOUR des Verlags Heinze gezeigt. Die Ausstellung auf einer Fläche von 250 m2 konnte 1100 Fach-Besucher aus dem Bereich Architektur erreichen.

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detail praxis – co-author

Farbe: Entwurfsgrundlagen, Konzeptionelles Farbdesign, Gestaltung von Raumatmosphären

DETAIL Praxis – Farbe: Entwurfsgrundlagen, Konzeptionelles Farbdesign, Gestaltung von Raumatmosphären

Autor: Axel Buether

NEU Februar 2014
112 Seiten mit zahlreichen Zeichnungen und Fotos
Format 21 x 29,7 cm
ISBN 978-3-920034-96-6

Autoren
Prof. Dr.-Ing. Axel Buether (Autor & Herausgeber)
Dipl.-Des. Dipl.-Ing. Anke Augsburg
Prof. Dr. phil. Dott. Thomas Danzl
Prof. Dipl.-Ing. (FH) Dipl.-Des. Andreas Kalweit
Dr.-Ing- M.A. AnneMarie Neser
Verw.-Prof. Dipl.-Des. Timo Rieke
Kunsthistoriker M.A. Lino Sibillano
Prof. Dipl.-Des. Axel Venn
Dipl.-Farbgestalterin HF Marcella Wenger-Di Gabriele
Dr. phil., Kunsthistorikerin M.A. Stefanie Wettstein

Einen Blick in die Publikation können Sie auf der Detail-Website werfen: Link

 

Auszeichnung Materialpreis

2. Auszeichnung Studien, Materialpreis 2013, Raumprobe, Stuttgart

2. Auszeichnung STUDIEN » experimentelle Oberflächenstudie

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campus waldfelden, ch

Lebendigkeit und Stimmigkeit prägen das Farbkonzept zum Schulcampus Lichtung. Die 11 Farben sind aus der Umgebung Weinfeldens entnommen und fügen sich stimmig in die Umgebung ein. Die Farben sind kontrastreich konzipiert, möglichst unterscheidbar und bilden den lebendigen Hintergrund für die Schulszenerie. Erdige und Naturfarben fügen sich zu einem Gesamtspektrum, dass je nach Jahrezeit vom Grün des zentralen Rasens und den Farben des Himmels ergänzt wird. mehr …

Ringvorlesung II

7. Januar 2014, "Inspiration"

Am 07. Januar 2014 um 19 Uhr verrät Timo Rieke, was ihn inspiriert und welche Bedeutung dies für seine Sicht auf das Design hat

Die Veranstaltung findet in Raum 120 in der Kaiserstraße 43-45 in Hildesheim statt. Die Ringvorlesung bringt Studierende und Lehrende außerhalb der Lehre über aktuelle Themen des Designs ins Gespräch miteinander. Die zweite Ringvorlesung im Wintersemester 2013/2014 findet eine Woche später statt: am 14.01.2014 um 19 Uhr. Ebenfalls in Raum 120 in der Kaiserstr. 43-45 wird Sabine Foraita uns Einblicke in ihre Inspirationen und ihre Sicht auf die Entwicklung des Designs geben. Die Ringvorlesungen haben mittlerweile schon eine lange Tradition an der Fakultät Gestaltung – organisiert werden sie von Barbara Kotte.

Termine Ringvorlesung:

07.01.2014 um 19 Uhr mit Timo Rieke, Verw.-Prof., Raum 120
14.01.2014 um 19 Uhr mit Prof. Dr. Sabine Foraita, Raum 120

laser surface studies

Studien im Umgang mit Laser und Material

cloud#9 magazine

internal monthly magazine for coop himmelb(l)au, vienna

folded A3 paper inhouse production. presentation of projects and activities around the architectural office of chbl, vienna.

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all fonts gone

Die Hausbesorgerszene (der Hausbesorger ist etwa vergleichbar mit einem im Haus wohnhaften Hausmeister) ist in Wien sehr ausgeprägt und erfreut sich allseitiger Beliebtheit. Die Hausbesorger bleiben im Allgemeinen freundlich im Hintergrund, kümmern sich um ausgefallene Glühlampen, einen sauberen Hausflur, Dachlawinenwarnungen und natürlich um eine einwandfreie Aussenansicht ihres Betreuungsobjektes. So gab es die längste Zeit gar ein Hausbesorgergesetz, das einen verpflichtenden Hausbesorger vorsah. Die Bestürzung war groß als im Jahr 2000 die blau-schwarze Regierung das Gesetz aufhob. Denn der Hausbesorger ist noch immer die Seele eines gut funktionierenden und harmonischen Wiener Lebensstils, den man positiv als nachhaltig beschreiben kann.

So ist es nicht besonders verwunderlich, dass in Wien, der Stadt des Über-Ichs und des Unbewussten gerade der Hausbesorger seinen Beitrag zur Harmonie beisteuert und allseits Unerwünschtes wegstreicht und nivelliert.
Gerade die Botschaften der unreifen Jugend, hastig mit Sprühdosen auf Häuserwänden verewigt, stellen eine Störung der harmonischen Ordnung von Geist und Körper dar. Angesichts des Angriffs auf das Selbstverständnis des Wiener Lebensstils wird der Hausbesorger getreu dem Motto von Joseph Beuys, dass “jeder ein Künstler” sei zum ausführenden Organ einer der lebenswertesten Städte der Welt. Nur konsequent erscheint es da, dass angesichts der Leistungen der HausbesorgerInnen  im Jahr 2010 in einer Volksabstimmung die Rückeinführung des Hausbesorgergesetzes von 84% der Bevölkerung ausdrücklich gewünscht wurde.

eschehaeriefte nominated

our magazine is nominated for the german design award

caparol display design

farbe ausbau fassade, cologne, 2013

Ringvorlesung

18.12.2012 "Wer sehen will, muss fühlen"

Nach dem Erfolg der ersten Ringvorlesung an der Fakultät Gestaltung wird am 18.12.2012 Timo Rieke zum Thema „Wer sehen will, muss fühlen“ sprechen

Bei der Ringvorlesung hat man die Möglichkeit, Lehrende jenseits ihrer Lehrveranstaltung kennenzulernen und in den Diskurs zu gehen. Und das in einer entspannten Atmosphäre bei einem kühlen Getränk. Darum: Schon jetzt die Termine für 2013 notieren.

Am 08.01.13 sprechen Eckhard Westermeier mit dem Thema „Von der Prozession zum Prozessing“ und Stefan Wölwer mit dem Beitrag „Digital is so yesterday“. Das Finale der Ringvor-lesungsreihe im Wintersemester 2013 wird von Paul Schmits mit dem Thema „Innere Räume, äußere Räume“ bestritten.

Die Veranstaltung wird von Barbara Kotte organisiert und findet jeweils um 17 Uhr in Raum 120, Kaiserstraße 43-.45 in Hildesheim statt.

Escehaeriefte #2 at my fonts

tgm project participation, magazine in discussion at myfonts.de

“Ohne Worte: Timo Rieke studiert die visuelle Identität von Zeitschriften am Beispiel der Farb- und Formensprache der Covergestaltung.” Florian Hardwig für myfonts.de


ohne worte

article for escehaeriefte, tgm munich

Three articles published in escehaeriefte. workshop with tgm munich. nice.
http://www.slanted.de/eintrag/escehaeriefte-2


farbe wird oft mit buntheit verwechselt

RAL interview, 2010

„Farbe wird oft mit Buntheit verwechselt“
Ein Interview mit Jurymitglied Timo Rieke

Auch 2010/2011 vergeben die RAL gGmbH und das Institut Farbe.Design.Therapie den Europäischen FarbDesignPreis. Jurymitglied Timo Rieke ist überzeugt, dass gute Farbgestaltung belohnt werden sollte. Der Europäische FarbDesignPreis ist für ihn ein wichtiges Signal an Auftraggeber und Gestalter, der Farbe eine größere Bedeutung beizumessen. Timo Rieke ist Head of Graphic Design im Architekturbüro Coop Himmelb(l)au und selbständiger Farb- und Grafikdesigner in Wien. Er entwickelt Konzepte für Produkte, Architektur und Kommunikation.

Welche Rolle spielen Farben in Ihrem Alltag?

Wir stehen täglich vor hunderten Farbentscheidungen und merken es in den meisten Fällen nicht einmal. Denn Farbe ist etwas, das wir – keiner weiß genau wie – von klein auf gelernt haben. Man stelle sich also vor, es gäbe keine Farbe. Dann entsteht plötzlich eine ganz andere Wertschätzung. Farbe wird zu einer visuellen Sprache, die ihre Prinzipien hat, ohne die wir kaum auskommen. Einer Sprache, die wir als Farbdesigner ständig hinterfragen und aktiv anwenden. Deshalb liebe ich das schwarze Quadrat von Malevich so sehr. Es zeigte das erste Mal, wie es ist, wenn keine Farbe da ist, wir uns aber im Angesicht der Schwärze endlich der Farbe bewusst werden.

Wie setzen Sie Farben in Ihrer Arbeit ein und wie gehen Sie bei der Farbwahl vor?

Jedes Projekt hat ein eigenes Farbkonzept. Nie aber ist Farbe bloßer Selbstzweck, denn ihre Wirkung ist soziologisch und psychologisch argumentier- und begründbar. Wenn nötig, dann verzichte ich lieber auf Farbe, als sie in einer nicht mehr identifizierbaren Buntheit zu verlieren – Farbe wird leider oft mit Buntheit verwechselt. In der Arbeit als Grafikdesigner spielt die Farbe als emotionale Sprache immer eine Rolle – ob ich nun Leitsysteme gestalte, Plakate entwerfe oder Bücher entwickle. Als Farb-Designer entwickle ich Farbkonzepte und Farbwelten, die Leitfaden sein können für Stadtplaner, Architekten, Produktdesigner oder Materialhersteller. Dabei ist empirische Grundlagenforschung für mich die Basis von Gestaltung und Farbwahl. In meinem Buch „Haptic Visuals“ versuche ich, das Phänomen Farbe anhand von Berührung und taktilen Reizen zu verstehen. So ist zum Beispiel eine raue Oberfläche farblich ganz anders zu behandeln als eine glatte, weiche.

Warum engagieren Sie sich als Jury-Mitglied für den Europäischen FarbDesignPreis?

Ich glaube, dass der Europäische FarbDesignPreis einen Beitrag dazu leisten kann, Farbe als ein äußerst vielfältiges aber durchaus steuerbares Gestaltungsmittel zu kommunizieren. Dabei muss es wichtig sein, einen sensiblen Umgang mit Farbe, Materialität und Haptik in den Vordergrund zu stellen. Wenn Farb-Designer früh in den Gestaltungsprozess einbezogen werden, zeigt sich oft, dass ganz außerordentliche Ergebnisse entstehen, die weit über den originären Gebrauchswert eines Objektes hinausgehen.

Was ist das Ziel des Europäischen FarbDesignPreises?

Der Preis ist ein wichtiges Signal für Auftraggeber und Gestalter, zu zeigen, dass es sich lohnt, der Farbe einen größeren Rahmen einzuräumen. Farbe ist Lebenskultur. Gute Farbgestaltung gehört gefunden, belohnt und kommuniziert. Das passiert bisher viel zu wenig.

Nach welchen Kriterien werden die Preisträger ausgewählt?

Was ist Ihnen persönlich besonders wichtig? Neben den in der Ausschreibung festgelegten Kriterien ist es mir bei der Preisfindung nicht wichtig, ob es sich um ein großes oder ein kleines Projekt handelt. Oftmals sind es genau die kleinen sensiblen Projekte, die Neues entstehen lassen und besonders spannend sind. Aber auch große, interdisziplinär geführte Projekte werden sicher eine Rolle spielen.

Zum Europäischen FarbDesignPreis

Auch 2010/2011 zeichnen RAL gGmbH und das Institut Farbe.Design.Therapie herausragende konzeptionelle, gestalterische, handwerkliche, künstlerische oder wissenschaftliche Leistungen aus, bei denen Farbe als wesentliches Gestaltungsmittel eingesetzt wird. Der Europäische FarbDesignPreis ist mit insgesamt 25.000 Euro dotiert. Einsendeschluss für alle Einreichungen ist der 10. August 2011. Weitere Informationen und die vollständigen Ausschreibungsunterlagen stehen unter www.farbdesignpreis.com zur Verfügung.

https://www.ral-farben.de/timo-rieke-im-interview.html

signate system shenzen

Entwurf Leitsystem

for COOP HIMMELB(L)AU

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page article

Die Farbversteher – Page 10/2010

Als eine Emotion, die auf verschiedenen Sinneseindrücken beruht, hauptsächlich aber von Tastwahrnehmungen ausgelöst wird, begreift Timo Rieke Farbe. Er absolvierte erst das Farbdesign- und anschließend ein Grafikdesignstudium und ist heute Head of Graphic Design bei Coop Himmelb(l)au in Wien. Zusätzlich arbeitet er mit seinen Partnern Anja Sorger und Nestor Gianades an eigenen Projekten (www.gianades.de). “Wenn wir Farben beschreiben, verwenden wir häufig Begriffe, die vom Fühlen kommen, wie kalt oder spitz. Sehen ist so etwas wie eine erweiterter Tastsinn”, erklärt Rieke. Dieser Thematik befasst er sich intensiv mit seinem Buch “haptic visuals. Oberfläche und Struktur – Farbe und ihre Beziehung zur Tastwahrnehmung”.

“Begreift man, dass das Sehen zum Großteil auf Tasterfahrungen beruht, werden Gestaltungselemente wie Farbe Spielelemente einer auf Bewegungsdynamik und unmittelbarem Gefühl beruhenden Welt.” Farbe, so Rieke, sei Gefühl – und die Aufgabe des Farbdesigners bestehe darin, hieraus Farbstrategien für Produkte, Architektur und Kommunikation zu entwickeln. “Farbe ist für mich eine visuelle Sprache, die in jeder Anwendung Aufmerksamkeit erfordert. Auch wenn ich Bücher, Corporate Designs oder Leitsysteme mache, spielt sie, ebenso wie das Material, eine bedeutende Rolle.”

In der Buchgestaltung sieht Timo Rieke zurzeit viele gebrochene, natürlich wirkende Farben, wie helles, nicht gesättigtes, weiches Rosa, Graugrün oder Hellblau. “Häufig hört man, die Trendfarbe sei jetzt Gelb. Aber ich meine, Trendfarben werden zu pauschal behandelt. Man muss doch frage: Was ist das für ein Gelb, welche Materialität hat es?” Als Mitglied des Deutschen Farbenzentrums erstaunt ihn immer noch, wie vielfältig das Phänomen Farbe ist. “Da begegnet man Farbmetrikern, die die Technik in den Vordergrund stellen, und Künstlern, denen es vor allem um die Emotion geht. Ich glaube, wer die Farbe verstanden hat, der versteht die Welt.”

Artikelausschnitt aus der Page, 10/2010 “Die Farbversteher” von Antje Dohmann

profil

Farbe und Grafik für Produkt und Oberfläche

Graphik und Farbe für Produkt und Oberfläche
Muster und Ornamentik
Farbkollektionen/Trends/Boards
Produktfarbigkeit

Meine Philosophie und Art zu gestalten ist gekennzeichnet durch gezielte geschichtliche und gesellschaftliche Analyse, Trendbeobachtung, Einfachheit in der Gestaltung, Verständlichkeit in der Botschaft, Emotionalität und Authentizität als Übermittler sowie Menschlichkeit als Ziel.

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facade competition, vienna

color and material design for a parking garage

 

high school #9

book design for coop himmelb(l)au, vienna, austria

Book Design for COOP HIMMELB(L)AU (design collaboration, pre press, color management); project monography: “Central Los Angeles Area High School #9 for the visual and performing arts, Los Angeles, California, USA” published by Prestel

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