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Die Hausbesorgerszene (der Hausbesorger ist etwa vergleichbar mit einem im Haus wohnhaften Hausmeister) ist in Wien sehr ausgeprägt und erfreut sich allseitiger Beliebtheit. Die Hausbesorger bleiben im Allgemeinen freundlich im Hintergrund, kümmern sich um ausgefallene Glühlampen, einen sauberen Hausflur, Dachlawinenwarnungen und natürlich um eine einwandfreie Aussenansicht ihres Betreuungsobjektes. So gab es die längste Zeit gar ein Hausbesorgergesetz, das einen verpflichtenden Hausbesorger vorsah. Die Bestürzung war groß als im Jahr 2000 die blau-schwarze Regierung das Gesetz aufhob. Denn der Hausbesorger ist noch immer die Seele eines gut funktionierenden und harmonischen Wiener Lebensstils, den man positiv als nachhaltig beschreiben kann.

So ist es nicht besonders verwunderlich, dass in Wien, der Stadt des Über-Ichs und des Unbewussten gerade der Hausbesorger seinen Beitrag zur Harmonie beisteuert und allseits Unerwünschtes wegstreicht und nivelliert.
Gerade die Botschaften der unreifen Jugend, hastig mit Sprühdosen auf Häuserwänden verewigt, stellen eine Störung der harmonischen Ordnung von Geist und Körper dar. Angesichts des Angriffs auf das Selbstverständnis des Wiener Lebensstils wird der Hausbesorger getreu dem Motto von Joseph Beuys, dass “jeder ein Künstler” sei zum ausführenden Organ einer der lebenswertesten Städte der Welt. Nur konsequent erscheint es da, dass angesichts der Leistungen der HausbesorgerInnen  im Jahr 2010 in einer Volksabstimmung die Rückeinführung des Hausbesorgergesetzes von 84% der Bevölkerung ausdrücklich gewünscht wurde.