Visuelle Kommunikation ist haptische Kommunikation

haptic visuals 2003

sauer

„Begreift man, dass die Interpretation des Seheindrucks zu einem Großteil auf körperlichen Erfahrungen beruht, so werden Gestaltungselemente wie Farbe Spielelemente einer auf Bewegungsdynamik und unmittelbarem Gefühl beruhenden Welt.“ haptic visuals, 2003

Während optische Farbkonzepte vornehmlich die Unterschiedlichkeit, Wichtigkeit und Position eines Objekts über die menschlichen Fernsinne (Sehen und Hören) markieren, betrifft der zweite entscheidende Faktor eines Farbkonzepts die Erzeugung von Empathie und persönlicher Nachvollziehbarkeit über die direkt körperlich empfundenen Nahsinne (Fühlen, Riechen, Schmecken).

Farbe ist Inhalt, nicht Oberfläche
Ein sensuell-haptisches Farbkonzept greift die gewohnheitsmäßige, intermodale Vernetzung aller Sinne auf. Das kann gelingen, weil Farbe bestimmte Erwartungen an körperliche Gefühle weckt. Farben wirken rau oder glatt, weich oder hart, spitz oder rund, schwer oder leicht, flach oder räumlich. Um Farbbedeutungen zu verstehen, ist es also hilfreich, das Sehen als eine Form des Fühlens, aber auch des Hörens und des Riechens auf Entfernung zu begreifen. Farbkonzepte müssen also gefühlte Strukturen und Objekteigenschaften, ja sogar räumliche, akustische und olfaktorische Bedeutungen herausfiltern und berücksichtigen.

Farbe als emotionaler Raum
Ein gutes haptisch-sensuelles Farbkonzept kann die Sinne des Menschen stimulieren und die besondere emotionale Beziehung zu seiner Umgebung hervorheben und stärken. Gestalter konstruieren objekthafte Räumlichkeit über die Definition von Licht und Schatten, legen Schwere und Leichtigkeit über Helligkeiten fest, beeinflussen Dynamik, Geschwindigkeit und Lautstärke über aktive oder ruhende Farben und definieren Nähe und Entfernung über Sättigungen. Die körperlichen Faktoren der Farbe können in ein dreidimensionales Farbsystem übersetzt werden, das zwischen Helligkeiten (schwer/leicht, unten/oben), Sättigungen (nah/entfernt, bewegt/unbewegt) und Farbtonunterschieden (kalt/warm, spitz/rund) unterscheidet. Die drei optischen Variablen eines Farbsystems verweisen also systematisch auf bekannte Sehgewohnheiten und Gefühle körperlicher Art.